Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte

2000 Jahre Musikgeschichte im Rheinland

Die Musikgeschichte des Rheinlands ist seit mehr als 2000 Jahren durch historische Quellen dokumentiert.

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Feiern – Singen – Schunkeln. Karnevalsaufführungen vom Mittelalter bis heute

11.-13. November 2011, Köln
Symposion der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte. Organisiert von Anno Mungen (Universität Bayreuth) und Christine Siegert (Universität der Künste Berlin) in Zusammenarbeit mit Arnold Jacobshagen und der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung.

Parallel zur Sessionseröffnung des Kölner Karnevals findet vom 11. bis 13. November 2011 in der Hochschule für Musik und Tanz in Köln ein internationales Symposion der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte statt. Während auf den Straßen und Plätzen der Domstadt gefeiert wird, widmet sich die interdisziplinär besetzte Konferenz mit ReferentInnen aus Belgien, Deutschland, Italien, Österreich und den USA dem bunten Treiben drei Tage lang aus wissenschaftlicher Sicht. Vertreten sind neben der Musikwissenschaft auch Perspektiven anderer Disziplinen wie der Ethnologie, der Kunstgeschichte und der Theaterwissenschaft.

Thematisch stehen die Aufführungen des Karnevals sowie speziell deren musikalische Aspekte im Mittelpunkt der Veranstaltung. Egal ob bei sorgfältig geplanten Inszenierungen von Theaterstücken oder Karnevalssitzungen, Umzügen oder spontan stattfindenden so genannten Everyday Performances auf der Straße, bei Bällen oder in Kneipen: Die Bedeutung des Karnevals entfaltet sich im Tun, der Karneval ist immer performativ.

Musik spielt dabei eine zentrale Rolle: als Live-Darbietung von Kapellen, Bands und SängerInnen oder auch aus der ‚Konserve‘. Das Besondere an Karnevalsaufführungen ist die fehlende Trennung zwischen Ausführenden und Rezipienten. Die ‚Zuschauer‘ sind durch ihre aktive Beteiligung (Feiern, Singen, Schunkeln…) und Kostümierung gleichzeitig DarstellerInnen, sie inszenieren sich selbst. Ein solches Phänomen bietet einer aufführungstheoretisch orientierten Musikwissenschaft zahlreiche Anknüpfungspunkte an aktuelle Forschungsfelder wie die Gender Studies, die Sozial- und Kulturgeschichte der Musik oder auch Fragen von Musik und Identität.
Die zentralen theoretischen und methodischen Fragen, die das Symposion aufwirft, sind bislang kaum gestellt, geschweige denn beantwortet worden:

• Welche Rolle spielt die Musik im Karneval?
• Wie sehr bestimmt das große Maß der musikalischen und körperlichen Partizipation der TeilnehmerInnen das Phänomen des Karnevals als performatives Ereignis?
• Welche Quellen stehen zur Verfügung, sich diesen Aspekten zu nähern?
• Wie lässt sich ein in der Geschichte sowie in der Gegenwart ebenso zentrales wie ephemeres Ereignis wie der Karneval mitsamt seiner Musik der

kulturgeschichtlichen Analyse zuführen?

Bei der Auseinandersetzung mit diesen Fragen decken die Konferenzbeiträge eine große historische Bandbreite ab und widmen sich der weit zurück liegenden Vergangenheit ebenso wie dem 19. Jahrhundert und der Gegenwart. Räumlich wird Köln als Hochburg des Karnevals eine zentrale Rolle spielen. Internationale Vergleiche ermöglichen darüber hinaus aber auch die Behandlung systematischer Fragestellungen und eröffnen ein breites Panorama an Themen; zur Sprache kommen u.a. der Karneval in Brasilien und Peru, der Karneval im Italien der frühen Neuzeit, Oper und Karneval, Karneval und Kirche, volkskundliche und pädagogische Aspekte sowie Lokales wie der Altweiberkarneval in Eupen oder der „Stippeföttche“-Tanz der Männer im Kölner Karneval.

Um die theoretischen Überlegungen und Anregungen der Referate unmittelbar auf einen Gegenstand beziehen und reflektieren zu können, wurde ein spezielles Rahmenprogramm entworfen. So werden die TeilnehmerInnen des Kongresses zu Beginn der Tagung die Live-Übertragung der Kölner Karnevalseröffnung im Fernsehen verfolgen und darüber hinaus an einem Abend den Auftritt der kölschen Karnevalsband „de familich“ in einer Kneipe erleben können.

 

PROGRAMM

Freitag, 11.11.

10.00−10.30

10.30−11.30

11.30−12.00

 

12.00−12.30

12.30−13.00

 

Hochschulleitung / Dekan / Vorsitzender Arge: Begrüßung

Anno Mungen (Bayreuth / Thurnau) und Christine Siegert (Berlin): Einführung (Karneval zwischen Partizipation und medial vermittelter Rezeption)

Kaffeepause

Sektion A: Interdisziplinäre Annäherungen

Gunther Hirschfelder (Regensburg): Karneval auf dem Weg in die Event-Gesellschaft. Funktionen, Konjunkturen und Transformation traditioneller Brauchmuster

Mathias Warstat (Erlangen): Karnevals- und Festkultur

13.00−15.00 Mittagessen
15.00−15.30

15.30−16.00

16.00−16.30

16.30−17.00

 

17.00−17.30

17.30−18.00

Richard Mailänder (Köln): Karneval in/trotz oder wegen der Kirche

Wolfgang Oelsner (Köln): Memento Mori im Schunkelrhythmus. Abschieds- und Jenseitsvorstellungen im Karnevalslied

Tanja Michalsky (Berlin): Performanz des Zyklischen im Gewand sozialer Realität. Pieter Bruegel: Der Kampf zwischen Karneval und Fasten (1559)

Kaffeepause

Sektion B: Formate

Melanie Fritsch (Bayreuth / Thurnau): „Men scal nicht danzen in den vasten.“ – Zur Rolle des Tanzes in Fastnachtsbräuchen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Laura Weigert (New Brunswick, USA): Karnevaleskes in Prozessionen und Paraden des 16. Jahrhunderts

Ab 20.00 Empfang
Samstag, 12.11.

9.30−10.00

10.00−10.30

10.30−11.00

11.00−11.30

 

11.30−12.00

12.00−12.30

 

Sabine Schroyen (Düsseldorf): Spurensuche: Annäherungen an die Redoutenmusik des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten

Michael Euler-Schmidt (Köln): Die Kölner Rosenmontagszüge ab 1823 – Inszenierung als Reaktion auf den jeweiligen Zeitgeist?

Dominic Larue (Bonn): „Janz ejal woher du ochküss“ – Der Kölner Karneval und die musikalische Performance eines identitätsstiftenden Raumes

Kaffeepause

Sektion C: Musikpraxen

Sabine Meine (Venedig): Singen im Venezianischen Karneval. Spurensuche in der frühen Neuzeit

Saskia-Maria Woyke (Bayreuth / Thurnau): Musik im Karneval Venedigs und Roms des Settecento: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

12.30−14.30 Mittagessen
14.30−15.00

15.00−15.30

15.30−16.00

16.00−16.30

16.30−17.00

17.00−17.30

Cornelia Bartsch (Basel): Ó Abre Alas! – Chiquinha Gonzaga und der brasilianische Karneval

Julio Mendívil (Köln): Carnaval 2000: Satire und Protest in der Karnevalsmusik aus Ayacucho in den peruanischen Zentralanden

Kaffeepause

Klaus Wolfgang Niemöller (Köln): Die Musik in den frühen Maskenzügen des Kölner Karnevlas (1823–1835) und die musikliebende, interkonfessionelle Bürgergesellschaft

Günther Noll (Köln): Zu den Funktionen von Lied und Singen im Kölner Karneval

Astrid Reimers (Köln): Kölner Karnevalslieder. Politik, Empowerment und Selbstbeweihräucherung anhand von sehr bekannten Beispielen

Ab 20.00 „Kölsches Mitsingkonzert“ der Musikgruppe „de famillich“.

Ort: „Stüsser“, Neusser Straße 47, 50670 Köln (Nähe Musikhochschule).

Sonntag, 13.11.

9.30−10.30

10.30−11.00

 

11.00−11.30

11.30−12.00

12.00−12.30

 

Marion Gerards (Hamburg) und Katrin Losleben (Raeren, Belgien): Mit Schirm, Schnaps und Schunkelmusik. Altweiber-Traditionen im Eupener Land

Kaffeepause

Sektion D: Oper

Silke Leopold (Heidelberg): Oper und Karneval − grundsätzliche Überlegungen

Christine Siegert: „Die Karawane zieht weiter“: Zur Oper im Karneval jenseits und diesseits der Alpen

Sebastian Hauck (Leipzig): Papsttheater und römischer Karneval − Il Sant’Alessio im barocken Theatergefüge

12.30−14.00 Mittagessen
14.00−14.30

14.30−15.00

15.00−15.30

Cordula Knaus (Graz): „Ma stiamo in allegria, facciamo carneval“. Verkleidung, Täuschung und Maskerade in karnevalesken Szenen der Opera buffa

Martina Grempler (Wien): „Ein Schauer geheimer Dämonie“. Zur Darstellung der düsteren Seiten des Karnevals im Musiktheater

Anno Mungen (Bayreuth / Thurnau): Karnevalistisches Musiktheater im Kölner Opernhaus: Zu Aufführungen der „Cäcilia Wolkenburg“ (Kölner Männer-Gesangs-Verein)

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