Sabine Meine ist neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte
Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte fand am 5. Juni 2026 im Hotel Viktoria in Köln statt und wählte einen neuen Vorstand. Zur neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder Prof. Dr. Sabine Meine. Das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden übernimmt künftig Dr. Susanne Schrage. Peter Haseley wurde als Schatzmeister in seinem Amt bestätigt. Neu in den Vorstand kooptiert wurden Dr. Anna Ricke sowie Laura Steinle, die insbesondere die Social-Media-Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft betreuen wird.
Die Mitgliederversammlung verband die Wahl des neuen Vorstands mit einem herzlichen Dank an die ausscheidenden Vorstandsmitglieder. Mit anhaltendem Beifall würdigten die Anwesenden die Verdienste der bisherigen Vorsitzenden Prof. Dr. Christine Siegert, des stellvertretenden Vorsitzenden Stephan Schulmeistrat sowie der kooptierten Vorstandsmitglieder Prof. Dr. Robert von Zahn und Silke Schloen. Die Arbeitsgemeinschaft dankte ihnen für ihr langjähriges und engagiertes Wirken.
Da Prof. Siegert aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, übernahm Stephan Schulmeistrat die Leitung der Versammlung. Zu Beginn gedachte die Versammlung der im vergangenen Jahr verstorbenen Musikwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner und Prof. Dr. Wilhelm Schepping, die beide in unterschiedlicher Weise die Musikforschung und das Musikleben im Rheinland nachhaltig geprägt haben.
Im Bericht des Vorstands wurde unter anderem auf die Verleihung des Edith-Ennen-Preises des Landschaftsverbands Rheinland an Dr. Elisabeth Reisinger hingewiesen. Der Vorstand würdigte die Auszeichnung als Anerkennung herausragender Forschungen zur Bonner Hofkapelle zur Zeit Ludwig van Beethovens und als Zeichen für die wissenschaftliche Qualität der Arbeit im Umfeld der Arbeitsgemeinschaft. Reisinger hatte ihre Forschungsergebnisse auf einer Beethoven-Tagung der Arbeitsgemeinschaft im Beethoven-Haus präsentiert.
Nach den Berichten des Vorstands, des Schatzmeisters und der Kassenprüferinnen und Kassenprüfer entlastete die Mitgliederversammlung den Vorstand einstimmig. Zum Abschluss der Versammlung umriss Prof. Meine ihre Pläne. Da ihr besonders der Austausch zwischen den Generationen am Herzen liegt, sieht sie für den Frühsommer 2027 unter dem Motto »Und jetzt alle!« eine Tagung zum »gemeinschaftlichen Singen im Rheinland« vor, die sie zusammen mit den Nachwuchswissenschaftler*innen Benjamin Bosbach, HfMT Köln, und Soudabeh Samiei, Folkwang Hochschule Essen, und dem weiteren Vorstand kuratieren wird. Aus dem Kreis der Versammlung kamen dazu bereits anregende Impulse. Meine lud herzlich ein, sich aktiv in die Tagung zu diesem Thema einzubringen (Vorschläge für 10minütige Beiträge bitte an sabine.meine@hfmt-koeln.de).
Kölner Musikspielstätten
Im Rahmen der Jahresversammlung hielt Judith Nüsser einen Vortrag über Kölner Musikspielstätten und Musikinstitutionen des 19. und 20. Jahrhunderts. Ausgehend von ausgewählten Orten des Kölner Musiklebens beleuchtete die Referentin deren Bedeutung für die Entwicklung der städtischen Musikkultur. Neben den bekannten Stätten Gürzenich und Schauspielhaus waren es vor allem das Casino als wichtiger gesellschaftlicher und kultureller Veranstaltungsort, das Domhotel und das Disch-Haus, dessen Geschichte die Veränderungen urbaner Kultur- und Repräsentationsräume im 20. Jahrhundert veranschaulichen.
Besonderes Augenmerk galt dem von dem Kölner Kaufmann Wilhelm Heyer aufgebauten Musikinstrumentenmuseum, das sich von 1913 bis 1926 in dem Gebäude befand, das heute als Hotel Viktoria genutzt wird und in dem die Versammlung stattfand. Nüsser skizzierte die Entstehung und Entwicklung dieser bedeutenden Sammlung historischer Musikinstrumente und ging auf ihre wissenschaftliche wie kulturgeschichtliche Bedeutung ein. Das Museum trug wesentlich zur Erforschung der Instrumentengeschichte bei und machte Köln zeitweise zu einem wichtigen Standort der organologischen Forschung.
Der Vortrag vermittelte einen anschaulichen Überblick über die vielfältigen Verflechtungen von Musik, Stadtentwicklung und bürgerlicher Kultur in Köln und zeigte, wie sehr die Geschichte des Musiklebens von den jeweiligen Aufführungs-, Sammlungs- und Begegnungsorten geprägt wurde. Die anschließende Diskussion unterstrich das anhaltende Interesse an der Erforschung der rheinischen Musikgeschichte und auch ihrer Institutionengeschichte. Sie fokussierte besonders auf die Rolle der Salons in der Stadtgesellschaft und auf Unterschiede zu den historischen Stadtgesellschaften in Berlin und in Hamburg.
rvz